Alte-Erde-Kreationismus (Teil 1) Fortschreitende Schöpfung

Befürworter der Perspektive des Alte-Erde-Kreationismus (OEC) betonen eine Harmonie zwischen der Natur und der Heiligen Schrift. Sie sehen sie als “zwei Bücher”, die “sich innerlich, äußerlich und gegenseitig als konsistent erweisen. Das eine liefert mehr Details über die Erlösungsgeschichte, das andere mehr Details über die Schöpfungsgeschichte, aber sie sprechen in perfekter Harmonie. Keiner negiert oder widerlegt den anderen.” Die Befürworter der OEC akzeptieren die geologische Wissenschaft in Bezug auf das Alter der Erde voll und ganz, und sie akzeptieren einen Teil der biologischen Evolutionswissenschaft in Bezug auf die so genannte “Mikroevolution” (Veränderung innerhalb der Arten). Wenn es jedoch darum geht, der evolutionären Erzählung einen Sinn zu geben, wie sie sich auf die gemeinsame Abstammung und die natürliche Selektion bezieht, bieten die OEC einen alternativen göttlichen Interventionsmechanismus an, um die Vielfalt und Entwicklung allen Lebens zu erklären.

Um die große Vielfalt des Lebens auf der Erde zu erklären, akzeptieren die OEC nicht, dass die Evolution durch natürliche Selektion ein ausreichender Mechanismus ist, durch den das Leben entstanden ist und sich entwickelt hat. Vielmehr verlassen sich die OEC auf göttliche Eingriffe, um die Vielfalt des Lebens auf der Erde zu erklären. Es ist Gott, der gezielt handelt, um neue Arten während der verschiedenen Zeitalter der Erde einzuführen. Ross erklärt,

“Was die Entwicklung des Lebens betrifft, so betrachten die Kreationisten der Alten Erde Massen-Speziationsereignisse als göttliche Eingriffe, als Gelegenheiten, bei denen Gott verschiedene Arten einführt, die für die sich verändernden Bedingungen der Erde geeignet sind und in optimalen ökologischen Beziehungen stehen. Zwischen diesen Ereignissen sehen wir mehrere lange Perioden, in denen das Leben auf der Erde mikroevolutionäre Veränderungen erfährt, Anpassungen, die durch eine Kombination von Umweltbedingungen, Herausforderungen durch invasive Arten und genetische Faktoren vorangetrieben werden. Wir lehnen jedoch das Konzept der universellen gemeinsamen Abstammung ab.”

Laut Ross erlaubt die OEC eine Zusammenarbeit zwischen der Natur und dem Göttlichen. In der Tat sind beide notwendig, um der Erzählung der Natur einen Sinn zu geben. Allerdings bevorzugt die OEC bestimmte Interpretationen der Schrift (wie z.B., dass Tiere sich jeder nach seiner “Art” fortpflanzen) gegenüber bestimmten Aspekten der Natur (wie z.B. evolutionäre gemeinsame Abstammung). Dies ist einer der Wege, auf denen die OEC-Perspektive die Frage nach dem Ursprung des Menschen löst.

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